Hygieneartikel für die Monatsblutung gehören zum Grundbedarf!

Periode ist politisch! 

 

An der bevorstehenden Mai-Session befindet der Kantonsrat über das von Hasan Candan und Mitunterzeichnenden eingereichte Postulat 220 «über die Bereitstellung von Tampons und Binden auf den Toiletten öffentlicher Einrichtungen»

 

Die Menstruation ist für die Hälfte der Bevölkerung eine regelmässige Realität. Da sich die Regelblutung nicht bei allen Frauen zuverlässig ankündigt, kann sie für die Betroffenen

zu unangenehmen Situationen im Alltag führen, und gerade bei jungen Mädchen ist

das Menstruieren heute noch oft schambehaftet. Tampons und Binden sind die am häufigsten verwendeten Produkte, um die Blutungen aufzufangen. Während in allen öffentlichen Einrichtungen Toilettenpapier zur Verfügung gestellt wird, gibt es dort weder Tampons noch Binden, obwohl es sich dabei ebenfalls um einen Grundbedarf handelt. 

 

Wiederkehrende Kosten für Tampons und Binden sowie deren unverhältnismässig hohe Besteuerung bedeuten eine finanzielle Belastung, welche von Mädchen und Frauen nicht immer getragen werden kann. Diese sogenannte Perioden-Armut birgt auch gesundheitliche

 

Risiken. Weiter sind Chancen- und Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern immer

noch Realität. Die SP ist deshalb der Meinung, dass Tampons und Binden auf allen Toiletten

öffentlicher Einrichtungen des Kantons, insbesondere auch in allen Bildungsinstitutionen, bereitgestellt werden sollen und beauftragen die Regierung, die nötigen Massnahmen für die

Umsetzung zu vollziehen. Weiter soll die Regierung den Gemeinden empfehlen, bei kommunalen öffentlichen Einrichtungen, insbesondere an ihren Schulen, nachzuziehen. 

 

Der Regierungsrat empfiehlt das von der SP eingereichte Postulat aus vorwiegend technischen Gründen zur Ablehnung. Er sieht auch Probleme der Ungleichheit, wenn Hygieneartikel nur an kantonalen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung stehen würden. Die SP sieht dies anders. Ziel des Postulats ist selbstredend nicht bloss das kostenlose zur Verfügung stellen von Hygieneartikeln in öffentlichen Institutionen. Dies wäre ein erster Schritt und die SP wünschte sich, der Kanton ginge mit gutem Beispiel voran. Die Kantone Waadt und Jura sind diesbezüglich tatsächlich aufgeschlossener als der Kanton Luzern. Und in Irland erhalten menstruierende Menschen seit neuestem eine Guthabenkarte zum Bezug von Hygieneartikeln, in Schottland soll die bereits kostenlose Abgabe in Schulen und Universitäten auf öffentliche Orte wie Stadtteilzentren, Jugendclubs oder Apotheken ausgeweitet werden.

 

Die Debatte im Luzerner Kantonsrat an der Mai-Session vom 10./11.05.2021 live mitverfolgen: https://www.lu.ch/news/kantonsratssession